Ist die Bewegung im Wasser bzw. das Schwimmen für Herzpatienten ein Risiko?

 

Zuerst müssen wir klären welchen Einfluss das Wasser auf unseren Körper hat.

Prinzipiell kann das Wasser in drei Aggregatzustände vorkommen.

Fest: als Eis, Flüssig: als Wasser, Gasförmig: als Wasserdampf bzw. Verdunstung

Die Wichtigsten Einflüsse des Wassers auf unseren Körper:

 

  1. Temperatur
  2. Hydrostatische Druck
  3. Auftrieb
  4. Verdrängung/Widerstand

Die Temperatur, eine indifferente Wassertemperatur so um die 34- 35 Grad fühlt sich entspannend und wohltuend an. Kann aber auch auf den Muskeltonus und somit auf die Gefäße einen Kreislaufabfall bewirken (Gefäßerweiterung). Höhere Temperaturen sollten nie ohne Aufsicht benutzt werden. Wasser mit 39° und darüber, fühlt sich heiß an und es besteht Verbrennungsgefahr.

Je tiefer die Wassertemperatut sinkt, desto tonifizierender (Gefäßverengend) wirkt sich die Temperatur auf unser Gefäßsystem und Muskulatur aus. Zu warmes oder zu kaltes Wasser aktivieren den Sympatikus (vegetatives Nervensystem), der wiederum einen erhöhten Blutdruck und eine erhöhte Herzfrequenz provoziert. Herzpatienten sollten das berücksichtigen, vor allem wenn sie das Wasser verlassen kann es zu Kreislaufabfällen sogenannten „Synkopen“ kommen. Das sind kurze Ohnmachts-Anfälle von wenigen Sekunden Dauer (Kreislaufkollaps), die durch kurzzeitigen Sauerstoffmangel im Gehirn ausgelöst werden.  (sofort Beine Hochlagern)

Der Hydrostatische Druck hat vor allem auf unsere Gefäße und Hohlräumen (Lunge, Herz, etc.) in unserem Körper einen Einfluss.
Der Körper fühlt sich wie in einer Packung eingeschnürt. Das wiederum wie eine Kompression wirkt und auf unseren Kreislauf (vor allem abflussfördernd) einen erheblichen Einfluss haben kann. Zusammen mit der Temperatur des Wassers kann, das zu Unannehmlichkeiten führen. (Harndrang u. d.) Zudem wird der Hydrostatische Druck mit der Wassertiefe immer stärker und drückt das Blut somit in die höher gelegenen Körperteile. Beim schnellen Verlassen des Wassers kann der Druck plötzlich wegfallen und zu Schwindelattacken und Kreislaufabfall führen. Einen viel größeren Einfluss haben der hydrostatische Druck und die Verdrängung auf Taucher, daher ist diese Art von Sport für Herzpatienten nicht geeignet.

Der Auftrieb ist wohl eine der angenehmsten Wirkungsweisen des Wassers.
Im Prinzip ist unser spezifisches Gewicht nicht viel anders als jenes des Wassers. Das heißt, im Wasser sind wir beinahe schwerelos. Da bedanken sich unsere tragenden Gelenke wie: Knie, Hüften und vor allem die Wirbelsäule. Diese Bewegungstherapie ist vor allem für adipöse Menschen geeignet, da sie ihr Gewicht im Wasser verlieren.

Durch die Verdrängung des Wassers werden sie sogar noch mehr nach oben getrieben. 
Die Bewegungen werden somit im Wasser langsamer und der Widerstand erfordert auch mehr Muskeleinsatz als im Freien. Kraft und Ausdauer lassen sich so optimal verbessern. Zudem kann durch die Verdrängung und den Widerstand des Wassers, eine Massagewirkung auf unserem Gewebe wie Haut, Bindegewebe und Muskulatur entstehen.

Beim verlassen des Wassers sollte man noch einige Punkte beachten:

 

  • Becken immer im flachen (nicht im tiefen Bereich) Bereich verlassen
  • Bewusst langsam aus dem Wasser steigen.
  • Vorher die Beine etwas hochlagern – nicht im Wasser stehen, sondern liegend zur Treppe schwimmen.
  • Nach dem Verlassen des Wassers sich bewegen, Muskelpumpe aktivieren. (Zehenstand, Beine kurz anheben und senken, etc.), sich wenn möglich an einem Geländer festhalten.
  • Eventuell auch kurzzeitig sich auf eine Liege hinlegen damit das Blut besser von den Beinen abfließen kann.
  • Man kann auch mehrmals das Wasser verlassen und somit den Körper auf die wechselnde Situation einstellen.
  • Optimal wäre, wenn man schwimmend den Beckenrand erreicht und somit die Beine bereits an der Wasseroberfläche hält. So kann beim Aussteigen auch weniger Blut absacken.
  • Eventuell mit den Hilfsmitteln wie: Schwimmbretter, Wassernudel oder dergleichen, bis zur Ausgangsstelle schwimmen.

Kurz zusammengefasst:

Gehen sie immer an der flachsten Stelle aus dem Wasser, lassen sie sich Zeit und bedenken sie, Ihr Kreislauf muss einer gewaltigen Veränderung entgegenwirken, lassen sie ihm Zeit und helfen sie mit, dass er es schafft.

Das heißt also, wenn wir bewusst und mit Respekt ins Wasser gehen, kann es eine einmalige Alternative für die Gymnastik im Freien sein und somit für die meisten Herzpatienten zu empfehlen. Trotzdem sollte jeder der sich entscheidet Wassergymnastik bzw. Schwimmen in seinem Bewegungsprogramm aufzunehmen, sich mit seinem behandelnden Arzt beraten.

 

 Herbert Alber

Wiss.Beirat der Südt.Herzstiftung
Dozent für kardiale Rehabilitation und Prävention
CLAUDIANA (Univ. Ferrara, Studiengang Physiotherapie)