Telemedizin

Neue Chancen für die Medizin und die Versorgung von Herzpatienten.

Das Webinar zur Telemedizin und die neuen Chancen für Herzpatienten

Hier das Video des Webseminars

Vortrag vom Dr. med. Friedrich Köhler auf Deutsch
Vortrag von Dott.ssa Filomena Polito auf Italienisch

Die Forschung stellt im Allgemeinen fest, dass die Telemedizin funktioniert, selbst bei schweren Erkrankungen.

So ergab beispielsweise eine 2017 durchgeführte Meta-Analyse und systematische Überprüfung des Einsatzes von Telemedizin zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz Vorteile. Dazu gehörten niedrigere Einweisungsraten, kürzere Krankenhausaufenthalte und weniger Todesfälle.

Vorteile für Patienten

Die Telemedizin kann bei der Behandlung einer Reihe von Erkrankungen helfen. Sie ist am erfolgreichsten, wenn eine Person sich von einem qualifizierten Arzt behandeln lässt und klare Angaben zu ihren Symptomen macht.

Einige weitere Vorteile der Telemedizin sind:

  • Geringere Kosten: Einige Forschungsergebnisse legen nahe, dass Menschen, die Telemedizin nutzen, weniger Zeit im Krankenhaus verbringen, was zu Kosteneinsparungen führt. Außerdem kann weniger Zeit für das Pendeln weniger sekundäre Ausgaben wie Kinderbetreuung und Benzin bedeuten.
  • Verbesserter Zugang zur Versorgung: Die Telemedizin erleichtert Menschen mit Behinderungen den Zugang zur Versorgung. Sie kann auch den Zugang für andere Bevölkerungsgruppen verbessern, darunter ältere Erwachsene, Menschen, die geografisch isoliert sind, und Menschen, die inhaftiert sind.
  • Präventive Pflege: Die Telemedizin kann Menschen den Zugang zu präventiver Pflege erleichtern, die ihre langfristige Gesundheit verbessert. Dies gilt insbesondere für Menschen mit finanziellen oder geografischen Barrieren für eine qualitativ hochwertige Versorgung. So ergab zum Beispiel eine Studie aus dem Jahr 2012 über Menschen mit koronarer Herzkrankheit, dass präventive Telemedizin die Gesundheitsresultate verbessert.
  • Bequemlichkeit: Die Telemedizin ermöglicht den Menschen den Zugang zur Versorgung in der Bequemlichkeit und Privatsphäre ihres eigenen Zuhauses. Dies kann bedeuten, dass eine Person nicht von der Arbeit freinehmen oder eine Kinderbetreuung organisieren muss.
  • Verlangsamung der Ausbreitung von Infektionen: In die Arztpraxis zu gehen bedeutet, in der Nähe von Menschen zu sein, die möglicherweise krank sind, oft in enger Nachbarschaft. Besonders gefährlich kann dies für Menschen mit Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sein. Die Telemedizin eliminiert das Risiko, sich in der Arztpraxis eine Infektion einzufangen.

Referenten

Univ.-Prof. Dr. med. Friedrich Köhler, FESC

Thema: Telemedizin, Telekardiologie und Tele-Kardio Reha – state of the art 2020

Charité – Universitätsmedizin Berlin, Ärztlicher Leiter des Arbeitsbereichs Kardiovaskuläre Telemedizin

Prof. Dr. med. Giovanni Maio, M.A. phil.

Thema: Potential und Grenzen der Telemedizin – eine ethische Perspektive

Lehrstuhl für Medizinethik, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Dott.ssa Filomena Polito

Thema: Telemedizin, Innovation und Datenverarbeitung im Gesundheitswesen

Leiterin der Abteilung Datenschutz des Sanitätsbetriebs Südtirol, Beraterin für Datenschutz und Legal Compliance

Mehr zum Thema

Mit der Entwicklung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien und der nahezu flächendeckenden Verfügbarkeit leistungsstarker Netzinfrastrukturen sind für die Telekommunikation im Gesundheitswesen vollkommen neue Möglichkeiten entstanden. Telemedizin und Gesundheitstelematik erleichtern nicht nur die Kommunikation der am Behandlungsprozess beteiligten Leistungserbringer. Sie besitzen vielmehr Rationalisierungspotenzial und können durch den intersektoralen und fachübergreifenden Wissensaustausch eine Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität ermöglichen.

Die Begriffe Gesundheitstelematik, Telemedizin, und E-Health sind eng miteinander verbunden. Ganz allgemein können Telematikanwendungen als einrichtungsübergreifende und ortsunabhängige vernetzte Anwendungen zur Überbrückung von Räumen verstanden werden, um damit betriebliche oder überbetriebliche Geschäftsprozesse zwischen Unternehmen und/oder ihren Kunden abzuwickeln bzw. ganz oder teilweise zu automatisieren. Die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen wird als Gesundheitstelematik bezeichnet. Ein Teilgebiet stellt hier die Telemedizin dar. Das Konzept der Telemedizin ist in Bezug auf die Übermittlung von Informationen über die Distanz hinweg bei weitem kein Phänomen des digitalen Zeitalters. Mit einfachen Kommunikationsmitteln wie Glocken-, Flaggen- oder Feuersignale wurden schon im Mittelalter Gesundheitsinformationen über die Ferne übermittelt, um Menschen vor dem Betreten eines Gefahrenortes, z. B. aufgrund von Lepra oder eines Pestausbruchs, zu warnen.

Der Einsatz der Telemedizin kann in die drei Anwendungsfelder Telediagnostik, Homecare und (hoch)spezialisierte Anwendungen differenziert werden. Während bei der Telediagnostik komplexe diagnostische Daten zwischen professionellen Anwendern, meist im klinischen Umfeld, ausgetauscht werden, bezieht sich der Bereich der Homecare auf die Übermittlung von einfach erfassbaren diagnostischen Parametern aus dem alltäglichen Umfeld des Patienten an einen Arzt bzw. Experten. Hochspezialisierte Anwendungen sind durch ein sehr begrenztes telemedizinisches Einsatzfeld und einen hohen technischen Aufwand gekennzeichnet, wie sie beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt oder der Hochseeschifffahrt eingesetzt werden. Innerhalb des Kategoriensystems sind die telemedizinischen Verfahren von unterschiedlichen prozessualen und informationstechnologischen Konstellationen geprägt.
Je nach medizinischer Disziplin und Anwendungszweck ergeben sich aus der Kombination der verschiedenen Kategorien und Dimensionen der Telemedizin ganz unterschiedliche Verfahren, Applikationen und Services.